Vereint gegen fremde Mächte – Die Querfront-Bemühungen des linken Vereins UMEHR e.V.

Vereint gegen fremde Mächte – Die Querfront-Bemühungen des linken Vereins UMEHR e.V.

Im Sep­tem­ber 2026 stellte eine Ver­an­stal­tung des Arbeits­krei­ses Neo­fa­schis­mus der VVN-BdA Ham­burg, der GEW Ham­burg und des DGB Ham­burg die Frage: »Gibt es eine Quer­front in Ham­burg?«. Im Zen­trum der dort vor­ge­stell­ten Recher­chen steht der Ver­ein »United Move­ment for Equal Human Rights«, kurz Umehr e.V. Des­sen Querfront-Politik offen­bart auch die Abgründe eines auf Israel fixier­ten Antiimperialismus.

Der Ham­bur­ger Ver­ein UMEHR e.V. ist klein, bezeugt mit sei­nem Logo aber ein gro­ßes Geltungsbedürfnis.

Am 15. Sep­tem­ber 2026 stellte eine Ver­an­stal­tung des Arbeits­kreis Neo­fa­schis­mus der VVN-BdA Ham­burg, der GEW Ham­burg und des DGB Ham­burg die Frage: »Gibt es eine Quer­front in Ham­burg?«. Im Zen­trum der dort vor­ge­stell­ten Recher­chen steht der Ver­ein »United Move­ment for Equal Human Rights«, kurz UMEHR e.V.. Der Vor­trag kann in vol­ler Länge nach­ge­hört wer­den unter https://www.freie-radios.net/144621.

Der AK Neo­fa­schis­mus bie­tet den Vor­trag auch für inter­es­sierte Grup­pen und offene Ver­an­stal­tun­gen an. Anfra­gen kön­nen an vvn-bda.hh@t‑online.de gestellt werden.

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Was ist eine »Quer­front«? Der Begriff bezeich­net seit der Wei­ma­rer Repu­blik die Zusam­men­ar­beit oder Ver­bin­dung von poli­tisch schein­bar ent­ge­gen­ge­setz­ter Strö­mun­gen von links und rechts. Das his­to­ri­sche Vor­bild sind Ver­su­che von kon­ser­va­ti­ver bis natio­nal­so­zia­lis­ti­scher wie auch von sozia­lis­ti­scher Seite, Bol­sche­wis­mus und Natio­na­lis­mus völ­kisch mit­ein­an­der zu ver­ei­nen. Bis heute bie­ten völ­ki­sche und anti­se­mi­ti­sche Vor­stel­lun­gen von frem­den Mäch­ten, die das hei­mi­sche Volk beu­teln, eine Grund­lage für den Schul­ter­schluss von Lin­ken und Rechten.

So ist es auch im aktu­el­len Fall von UMEHR zu beob­ach­ten. Der Ver­ein wurde laut eige­nen Anga­ben 2020 in Ham­burg gegrün­det und trat wäh­rend der Querdenken-Demonstrationen zuerst in Erschei­nung. UMEHR ver­steht sich als »radi­kal­de­mo­kra­ti­sches Pro­jekt«, das die »Sou­ve­rä­ni­tät der Staats­bür­ger« her­stel­len möchte. Heute regiere näm­lich Geld die Welt, also liege die Macht »in den Hän­den derer, die über das Geld ver­fü­gen«. Wel­che geheim­niss­volle Gruppe könnte hier gemeint sein? Das digi­tale Ver­eins­blatt »Der Auf­stand« gibt Auf­schluss. Dort sind die Haupt­the­men Gaza, Paläs­tina, Israel, USA, Auf­rüs­tung und der Krieg im Iran. Pas­send dazu tritt der Ver­ein auch als »Ham­bur­ger Bünd­nis für Völ­ker­ver­stän­di­gung« auf, des­sen Logo die Fah­nen u.a. der Isla­mi­schen Repu­blik Irans, Kubas und Vene­zue­las zie­ren. Auf einer Demo des Bünd­nis­ses im Sep­tem­ber 2026 und in der Zei­tung heißt es pro­gram­ma­tisch: »Wir müs­sen die ideo­lo­gi­sche und mate­ri­elle Unter­stüt­zung des US-israelischen-Epstein Regimes blo­ckie­ren. Stopp der Waf­fen­lie­fe­run­gen. Schluss mit der poli­ti­schen Deckung. Kein Geld für Geno­zid. Von Tehe­ran über Gaza bis Havanna, ein Feind, ein Kampf, eine Front.« – schwer zu sagen, ob man eine sol­che anti­se­mi­ti­sche Volks-Front eher rot oder doch schwarz nen­nen müsste. Oder grün – auf Insta­gram teilt das »Bünd­nis« regel­mä­ßig Inhalte des ira­ni­schen Mullah-Regimes.

Das poli­ti­sches Umfeld von UMEHR e.V.

Der antisemitisch-antizionistische Anti­im­pe­ria­lis­mus ist die Basis für die Quer­front, die UMEHR in Ham­burg auch auf der Straße her­zu­stel­len ver­sucht. Bei­spiel­haft für das poli­ti­sche Umfeld, in dem sich UMEHR bewegt, war etwa die Antikriegstags-Demo in Ham­burg am 01.09.2022. Dort nah­men Per­so­nen von UMEHR e.V. mit eige­nem Block und Ban­ner teil und stell­ten die Ordner:innen-Leitung. Orga­ni­siert wurde die Demo vom Ham­bur­ger Forum (HF), dem zen­tra­len Akteur der Frie­dens­be­we­gung in Ham­burg. Dane­ben durfte der rechte You­tuber Eli­jah Tabere unge­hin­dert vom Laut­spre­cher­wa­gen live­strea­men. Musi­ka­lisch beglei­tet wurde das von Tracks des Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen Kilez More.

Auf ande­ren Ver­an­stal­tun­gen mit UMEHR-Beteiligung waren Rechts­extreme wie Manuela Pilz-Ertl vorn mit dabei. Ertl tarnt sich gern als Linke und orga­ni­sierte etwa 2021 in ihrer Rolle als Vor­sit­zende des Bezirks­el­tern­aus­schuss Hamburg-Nord (BEA) eine Ver­an­stal­tung unter dem Namen »Kin­der im Lock­down«, wel­che ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Posi­tio­nen eine Bühne bot.

Anti­im­pe­ria­lis­mus gegen Israel und die Ukraine

Der Dreh- und Angel­punkt des Querfront-Antiimperialismus ist natür­lich Israel. UMEHR e.V. grün­dete 2024 das »Ham­bur­ger Bünd­nis Paläs­tina« (HBP). An des­sen Spitze sitzt Andreas Padelt, der sich in der Ver­gan­gen­heit als Orga­ni­sa­tor der Querdenker-Aufmärsche der soge­nann­ten »Kunsthallen-Demos» her­vor­tat. Diese bil­de­ten ein Sam­mel­be­cken von Maßnahmenkritiker:innen über Pandemieleugner:innen, Ver­schwö­rungs­gläu­bige, Esoteriker:innen, Frie­dens­be­wegte bis hin zu Rechts­extre­men. So waren auf die­sen Demos etwa AfD-Spitzenfunktionäre aus Ham­burg und NPD­ler zuge­gen und gedul­det. Seit dem Herbst 2024 bewirbt das HBP regel­mä­ßig Demos zum Thema Palästina-Solidarität. In dem Zusam­men­hang wur­den über Andreas Padelt bzw. Umehr immer wie­der der Laut­spre­cher­wa­gen sowie Ordner:innendienste gestellt. Auch mit der befrei­ungs­na­tio­na­lis­ti­schen und isra­el­feind­li­chen Gruppe Thawra ruft das Bünd­nis zu gemein­sa­men Demons­tra­tio­nen auf, so etwa zur Ham­bur­ger »Revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai-Demo« 2026.

Der allen Betei­lig­ten gemein­same Anti­im­pe­ria­lis­mus rich­tet sich dabei auch gegen die von Russ­land ange­grif­fene Ukraine. Neben »Der Auf­stand« gibt UMEHR über die Unter­grup­pie­rung »Gesell­schaft der Glei­chen« auch das Blatt »The Car­rier Pigeon« her­aus. In der Aus­gabe 02/23 wird die rus­si­sche Aggres­sion gerecht­fer­tigt und die west­li­che Alli­anz gegen Putins Russ­land als faschis­tisch dif­fa­miert. Die zuge­hö­rige Illus­tra­tion sug­ge­riert mit Haken­kreu­zen eine Nähe von NATO und Nationalsozialismus.

Eine leben­dige Quer­front gegen Israel

Zuletzt wurde aus die­sem anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Milieu mit ver­ein­ten Kräf­ten zu der Demons­tra­tion »Drei Jahre Geno­zid« mobi­li­siert, die am 07.10.26 auf dem Hach­mann­platz statt­fand. Die laut Instagram-Kooperationen an der Vor­be­rei­tung betei­lig­ten Grup­pen sind unter ande­rem wie­der das HBP und Thawra. Die Rechts­of­fen­heit die­ses Zusam­men­hangs tat der Anschluss­fä­hig­keit offen­bar kei­nen Abbruch. Auch grö­ßere linke Grup­pen wie das Offene Antifa-Treffen Ham­burg (OAT) und die LAG Paläs­ti­na­so­li­da­ri­tät Die Linke Ham­burg inklu­sive der Links­ju­gend Wands­bek und Ber­ge­dorf haben mit zu die­ser Demons­tra­tion auf­ge­ru­fen. Auf der Demo waren auch die marxistisch-leninistischen Grup­pen Young Struggle und Zora sicht­bar mit eige­nen Fah­nen vertreten.

Im Dienste der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Quer­front unter­bleibt offen­bar jeg­li­che kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit rech­ten und ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Grup­pie­run­gen in den eige­nen Rei­hen. Sie muss unter­blei­ben, denn das anti­west­li­che Gut-Böse-Schema und anti­se­mi­ti­sche Ter­ror­ver­harm­lo­sung sind die gemein­same Basis. Das gewählte Datum der Demons­tra­tion stellt natür­lich einen unmit­tel­ba­ren Bezug zu dem Ter­ror­an­griff der Hamas auf Israel dar. Der Auf­ruf des HBP for­dert die »voll­stän­dige Befrei­ung«, illus­triert durch die Umrisse des Staats­ge­biets Isra­els. Die Inten­tion einer Ver­nich­tung Isra­els wird dann durch den Auf­ruf voll­ends deut­lich: »Flu­tet am 07. Okto­ber die Stra­ßen Ham­burgs«. Das ist für Ein­ge­weihte als Refe­renz auf die »Al-Aqsa-Flut« zu ver­ste­hen, also auf den Ope­ra­ti­ons­na­men, unter dem das anti­se­mi­ti­sche Mas­sa­ker am 07. Okto­ber 2023 began­gen wurde.

Der eher kleine Ver­ein UMEHR ist in all dem sicher nicht die aus­schlag­ge­bende Kraft. Seine erfolg­rei­che Querfront-Arbeit kann aber als Sym­ptom einer lin­ken Regres­sion ver­stan­den wer­den. Ver­bin­dun­gen und Zusam­men­ar­beit lin­ker Grup­pen mit ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen und ganz klas­sisch anti­se­mi­ti­schen Grup­pie­run­gen bezeu­gen eine anti­im­pe­ria­lis­ti­sche und anti­zio­nis­ti­sche Ideo­lo­gie, der jeg­li­che Gesell­schafts­kri­tik abhan­den­ge­kom­men ist. Die Zusam­men­ar­beit mit UMEHR ist ein bedrü­cken­des Bei­spiel dafür, wie sehr es in eini­gen lin­ken Grup­pie­run­gen Ham­burgs an einer kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit Anti­se­mi­tis­mus und rechts­of­fe­nen Orga­ni­sa­tio­nen in den eige­nen Rei­hen mangelt.

Der Vor­trag der VVN-BdA kann als Weck­ruf und als Anstoß zur Reflek­tion für all jene die­nen, die die­sen Wahn­sinn nicht län­ger mit­ma­chen wollen.


Der Vor­trag »Gibt es eine Quer­front in Ham­burg?« des AK Neo­fa­schis­mus der VVN-BdA Ham­burg kann in vol­ler Länge nach­ge­hört wer­den unter https://www.freie-radios.net/144621.

Der AK bie­tet den Vor­trag auch für inter­es­sierte Grup­pen und offene Ver­an­stal­tun­gen an. Anfra­gen kön­nen an vvn-bda.hh@t‑online.de gestellt werden.

Nico Paus­tian und Felix Jacob, Okto­ber 2026

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