Never ending Schwachsinn

Never ending Schwachsinn

Dass die Stern­schanze ein Ort der Hyper­gen­tri­fi­zie­rung ist, bedarf kei­ner Erwäh­nung mehr. Nun jedoch wird der Stadt­teil gen­trif­rit­tiert: Immer mehr soge­nannte Food Start­ups bie­ten über­teu­erte Lebens­mit­tel an. In Wahr­heit ver­kau­fen sie jedoch vor allem Con­tent zur sozi­al­me­dia­len Selbst­in­sze­nie­rung. Wieso Zimt­schne­cken, Donuts und Bur­ger den städ­ti­schen in einen sinn­lo­sen Raum verwandeln.

It’s a mood – weg­ge­wor­fe­ner Papp­kar­ton einer Zimt­schne­cken­kette in der Stern­schanze. Foto: privat.

Womög­lich ist es die Suche nach Ent­schleu­ni­gung, die Men­schen dazu ver­lei­tet, sich in lange Schlan­gen zu stel­len, um über­teu­erte Süß­spei­sen zu kau­fen. Zumin­dest ver­spricht das die Zimtschnecken-Kette »Cin­na­mood«, die sich als »Ort der Vor­freude, der Ent­schleu­ni­gung« anpreist. An der Beschleu­ni­gung des All­tags wirkt jedoch aus­ge­rech­net die Zimtschnecken-Kette selbst mit. In hohem Tempo erobern ihre Filia­len in einem Heer aus wei­te­ren Food Start­ups den städ­ti­schen Raum. Jüngst etwa bekam »Cin­na­mood« Kon­kur­renz durch die in Ham­burg gegrün­dete Franchise-Kette »Cin­na­ver­sum«. Neue Mar­ken wer­den kre­iert und erle­ben über die Sozia­len Mei­den einen – mit­un­ter kurz­le­bi­gen – Hype. Neue Geschäfte eröff­nen und schlie­ßen als­bald wie­der, um durch das neue Immer­glei­che ersetzt zu wer­den. Kom­pen­sa­tion dafür sol­len iro­ni­scher­weise die von den Start­ups ver­trie­be­nen Pro­dukte bie­ten: Neben Ent­schleu­ni­gung ver­spre­chen sie etwa Authen­ti­zi­tät, Gemein­schaft und beson­dere Erlebnisse.

Die erste Filiale eröff­nete »Cin­na­mood« im Novem­ber 2022 in der Schan­zen­straße. Jah­re­lang war dort ein Spiel­wa­ren­ge­schäft. Auch andern­orts wird die­ser Wan­del sicht­bar. Wo einst Gemüse- oder Trö­del­lä­den und inha­ber­ge­führte Knei­pen, Cafés und Restau­rants die Stra­ßen­züge säum­ten, trifft man nun – in einem fuß­läu­fi­gen Umkreis – auf eine unüber­schau­bare Viel­zahl an Filia­len der Food Start­ups. Direkt gegen­über der Zimtschnecken-Kette ist »Ley’s Coo­kies« ein­ge­zo­gen, gleich um die Ecke »Brammibal’s Donuts«, nur ein paar Stra­ßen wei­ter die »New York Bagel Bar«. Am Schul­ter­blatt, wo jahr­zehn­te­lang ein grie­chi­sches Restau­rant Gyros ser­vierte, ver­kauft jetzt »Loco Chi­cken« Hähn­chen­flü­gel. Fast end­los könnte diese Liste fort­ge­führt wer­den: »Super­bad«, »Ruff’s Bur­ger«, »Kjeks«, »Schnit­zery«, »Hakan Abi«. Man­che Läden, bei­spiels­weise »Royal Donuts« in der Stern­straße oder auch »Nani’s Cheesecake« am Neuen Pfer­de­markt, sind längst schon wie­der verschwunden.

Selbst die eins­ti­gen Gen­tri­fi­ca­teure der Stern­schanze wer­den von den neuen Food Start­ups ver­drängt. Wir beob­ach­ten eine beschleu­nigte Gen­trif­rit­tie­rung: die Trans­for­ma­tion des städ­ti­schen Raums durch Trend­nah­rung. Dabei ist die­ses Phä­no­men bei wei­tem nicht auf ein ein­zi­ges Vier­tel beschränkt. Jüngst beschwer­ten sich Anwoh­nende und Stand­be­trei­bende des Eims­büt­te­ler Ise­markts dar­über, dass die­ser von Food­trucks und ‑trends und folg­lich von Influen­cern über­rannt werde. Von einem Wochen­markt, auf dem Waren des täg­li­chen Bedarfs ange­bo­ten wer­den, könne kaum noch gespro­chen wer­den. Hier soll jedoch kein Kla­ge­lied ange­stimmt wer­den. Dass sich die Stern­schanze und andere Stadt­teile ver­än­dern und Geschäfte schlie­ßen, ist per se kein Pro­blem. Die Frage jedoch ist, durch was sie ersetzt werden.

Expandierende Food Startups

Die neuen Läden ver­kau­fen zwar unter­schied­li­che Pro­dukte wie Kekse, Donuts, Bagels oder Bur­ger. Doch viele eint die Art und Weise, wie sie diese pro­du­zie­ren (las­sen), ver­wer­ten und ver­mark­ten. Die Geschäfte fol­gen häu­fig dem Prin­zip soge­nann­ter Mono-Konzepte, ver­kau­fen also ein Kern­pro­dukt, bei­spiels­weise Zimt­schne­cken. Diese las­sen sich in der Regel stan­dar­di­sie­ren und kön­nen daher von schnell ange­lern­ten Arbeits­kräf­ten ver­kaufs­fer­tig gemacht wer­den. Die Pro­duk­tion ist ver­gleichs­weise güns­tig, was hohe Mar­gen zulässt. Zugleich wird das Geschäfts­mo­dell über die stan­dar­di­sierte Pro­duk­tion ska­lier­bar. Das wie­derum ermög­licht eine rasche Expan­sion. Einige Ket­ten – wie etwa »Cin­na­mood« – setz­ten dafür auf ein Fran­chise­kon­zept, also schnel­les Wachs­tum bei gerin­gem Kapi­tal­ein­satz. Andere wie das Startup »Lanch«, das unter ande­rem hin­ter »Loco Chi­cken« steckt, sam­mel­ten flei­ßig Mil­lio­nen am Kapi­tal­markt ein.

Etwas anders ver­hält es sich bei »LAP Cof­fee«. Die mitt­ler­weile auch am Schul­ter­blatt mit einer Filiale ver­tre­tene Kette geriet in jüngs­ter Zeit in Kri­tik, da sie güns­ti­gen Kaf­fee anbie­tet und daher inha­ber­ge­führte Cafés unter Druck setze. Zwar ver­folgt auch »LAP Cof­fee« eine rasche Expan­sion durch Risi­ko­ka­pi­tal. Der eigent­li­che Zweck des Unter­neh­mens besteht jedoch wohl weni­ger im Ver­kauf von Kaf­fee, son­dern in der »Ent­wick­lung und Betrieb von digi­ta­li­sier­ten und auto­ma­ti­sier­ten Ver­kaufs­stel­len für den Ein­zel­han­del«, wie das Sur­plus Maga­zin berich­tete. Die der­zei­tige Auf­merk­sam­keit für Trend­nah­rung dient also offen­bar als Vehi­kel, um etwas ganz ande­res zu ent­wi­ckeln und zu verkaufen.

Schmeckt nicht jedem – Reste eines Trend­dö­ners in einem Haus­ein­gang in der Stern­schanze. Foto: privat.

Das Phä­no­men der Food Start­ups lässt sich jedoch nicht allein über die alt­her­ge­brach­ten Pro­dukte sowie die Expan­si­ons­stra­te­gien erklä­ren. Viel­mehr lau­fen in der Gen­trif­rit­tie­rung unter­schied­li­che Stränge zusam­men. Dabei spielt das Inter­net eine zen­trale Rolle. Denn ers­tens las­sen sich die von den Food Start­ups ange­bo­te­nen Pro­dukte nicht wie etwa Mode im Online­han­del ver­trei­ben, der bereits für eine Trans­for­ma­tion des städ­ti­schen Raums gesorgt hat. Viele Geschäfte, die keine ver­derb­li­chen Waren anbie­ten, muss­ten auf­grund der Kon­kur­renz im Inter­net schlie­ßen – das schuf Platz. Dies gilt, zwei­tens, auch für den kapi­tal­ge­trie­be­nen Immo­bi­li­en­markt: Vor allem in popu­lä­ren Stadt­tei­len wie der Stern­schanze sind die Mie­ten der­art gestie­gen, dass sie häu­fig nur noch von sol­ven­ten Ket­ten getra­gen wer­den kön­nen. Ent­schei­dend ist jedoch, drit­tens, das Auf­kom­men neuer Wer­be­stra­te­gien über die Sozia­len Medien. Vor allem Insta­gram und Tik­Tok besche­ren den Food Start­ups ihren Erfolg. Die Bur­ger, Donuts und Zimt­sche­cken ver­kau­fen sich offen­bar weni­ger auf­grund ihrer Qua­li­tät, son­dern vor allem, weil sich über sie ein Lebens­stil aus­drü­cken lässt.

Liebe ist ein Keks

Um ein Pro­dukt zu ver­kau­fen, das hat etwa Wolf­gang Fritz Haug in sei­ner Kri­tik der Waren­äs­the­tik nach­ge­zeich­net, muss es sei­nen Käufer:innen ein plau­si­bles Gebrauchs­wert­ver­spre­chen bie­ten. Mit ande­ren Wor­ten muss die Ware vor dem Kauf über­zeu­gen, dass sie einen Zweck erfüllt. Bei Nah­rungs­mit­teln liegt die­ser in der Regel nach wie vor darin, dass sie bekömm­lich sind, Hun­ger stil­len und gut schme­cken. Geschmack und Genuss sind auch wich­tige Ver­spre­chen der von den Food Start­ups ver­trie­be­nen Pro­dukte. Sie gehen jedoch darin bei Wei­tem nicht auf. Ihr eigent­li­cher Gebrauchs­wert liegt weni­ger in mate­ri­el­len Qua­li­tä­ten, son­dern vor allem darin, dass sie als Zei­chen auf etwas Imma­te­ri­el­les verweisen.

Wer sich durch das Instagram-Konto von »Cin­na­mood« klickt, dem fal­len schnell Begriffe auf wie Pause, Aus­zeit, Freude und Beloh­nung. Haug hat gezeigt, dass die Waren­äs­the­tik sich zunächst der Spra­che der Men­schen bediente, um Pro­dukte zu bewer­ben, die bewor­be­nen Pro­dukte jedoch bald den Men­schen eine Spra­che gaben, um ihre Gefühle und Bedürf­nisse aus­zu­drü­cken. Wer also eine Aus­zeit braucht, der kauft eine Zimt­schne­cke, der belohnt sich. Bei »Schnit­zery«, ansäs­sig am Schä­fer­kamp, kann man, wie es bei Insta­gram heißt, »Freunde tref­fen, zusam­men essen und ein­fach den Moment genie­ßen«. Andere Läden wie die »New York Bagel Bar« ver­an­stal­ten auch Events wie sonn­täg­li­che Lauf­klubs mit Bagelverzehr.

Auch ihnen schmeckt es nicht – Schild generv­ter Anwohner:innen gegen­über von »Hakan Abi«. Foto: privat.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Schlag­wort der Instagram-Kanäle ist »Liebe«. Bei »Cin­na­mood« fin­det es sich eben­falls auf der Fir­men­web­seite. Dort wird auch eine kleine Geschichte über die bei­den Gründer:innen, die ein Paar sind, erzählt: »Diese Liebe geht durch den Magen«. Die Zimt­schne­cken seien also nicht nur aus Liebe ent­stan­den, son­dern über deren Erwerb drückt man seine (Selbst-)Liebe aus. »This is me roman­ti­ci­zing my life«, heißt es pas­send auf dem Instagram-Kanal. Direkt gegen­über, bei »Ley’s Coo­kies«, wer­den Kekse gleich zum Lie­bes­be­weis: »Not­hing says ›I love you‹ like a heart cookie«.

Die kleine Geschichte über das »Cinnamood«-Liebespaar hat aber noch eine wei­tere Funk­tion: Sie ver­spricht Authen­ti­zi­tät und Gemein­schaft. Die Firmengründer:innen wer­den nur mit Vor­na­men, Anna und Luca, vor­ge­stellt. Sie wir­ken wie zwei gute Freund:innen, die einem nun etwas von den selbst­ge­ba­cke­nen Zimt­schne­cken abge­ben. Wie belie­big das ist, zeigt sich darin, dass sie nun auch eine Burger-Kette ins Leben geru­fen haben. Eine etwas andere Geschichte prä­sen­tiert die »New York Bagel Bar«, die eine Filiale in der Susan­nen­straße betreibt. Auf ihrem Instagram-Kanal kann man die »vier Freunde« – Laura, Pia, René und Johnny – dabei beob­ach­ten, wie sie mit gro­ßem Spaß Bagels ver­kau­fen. Neben­bei geben sie noch Tipps für soge­nannte Gründer:innen oder laden Influen­cer ein, indi­vi­du­elle Bagels zu kre­ieren. Selbst­ver­ständ­lich tei­len die vier Freunde »die Liebe zu authen­ti­schen New York Bagels«. Fast alle Ket­ten set­zen dabei auf das soge­nannte Influencer-Marketing, das die Pro­dukte im kum­pel­haf­ten »Du« als Ticket zu einer mehr oder weni­ger erle­se­nen Gemein­schaft anpreist.

Dialektik des Pappkartons

Das Influencer-Marketing zeigt auf Sei­ten der Kon­su­mie­ren­den erkenn­bar Wir­kung. Wer ein­mal län­gere Zeit vor einem Zimtschnecken-Laden steht, kann beob­ach­ten, dass so man­che, die dort ein Gebäck kau­fen, nicht dar­auf aus sind, die ver­spro­chene Aus­zeit zu genie­ßen. Viel­mehr zücken sie ihre Smart­phones, um die Zimt­schne­cke zu foto­gra­fie­ren. Sie repro­du­zie­ren die auf Insta­gram insze­nierte Waren­äs­the­tik auf ihren eige­nen Kanälen.

In einer Welt der pri­va­ti­sier­ten Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie posi­tio­nie­ren sich die Kon­su­mie­ren­den über ein ein­ge­kauf­tes Erleb­nis in Form einer Zimt­schne­cke oder auch eines Donuts als trend­be­wusste und genuss­freu­dige Sub­jekte. Dabei hilft wie­derum die Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion: Die ver­mark­te­ten Geschich­ten und Gefühle las­sen sich mit der eige­nen Per­sön­lich­keit ver­we­ben. Hinzu kommt, dass Online­ma­ga­zine wie »Ham­burg mit Ver­gnü­gen« die Eröff­nung und den Besuch der neuen Geschäfte zu einem Erleb­nis sti­li­sie­ren, woran nicht zuletzt auch die Online­ma­ga­zine verdienen.

Die Food Start­ups ver­kau­fen inso­fern nicht ein­fach Lebens­mit­tel, sie ver­kau­fen Con­tent. Mit die­sen Inhal­ten kann das auf Insta­gram und anderswo erzählte Leben offen­bar auf­ge­wer­tet wer­den. Dass sich dabei bis­wei­len gar nicht mehr unter­schei­den lässt, ob die vie­len Bil­der von Nah­rungs­mit­teln in den Sozia­len Medien von pro­fes­sio­nel­len und popu­lä­ren Influen­cern oder von Pri­vat­per­so­nen gepos­tet wur­den, ist ebenso wich­tig für das Funk­tio­nie­ren die­ses infor­mel­len Mark­tes. Um wie ein Star zu sein und sich wie ein sol­cher zu füh­len, bedarf es kei­ner beson­de­ren Qua­li­tä­ten mehr, son­dern nur noch eines Bur­gers oder eines Gebäckstücks. 

Ein sub­stan­zi­el­ler Bestand­teil des Gebrauchs­werts der Trend­nah­rung besteht also in der Tat nicht darin, als Lebens­mit­tel ver­zehrt zu wer­den. Die Pro­dukte die­nen viel­mehr als Medien – das Zei­chen­hafte der Ware wird zu ihrer eigent­li­chen Funk­tion. In die­sem Pro­zess geschieht nun wahr­lich Absur­des: Denn mit den Food Start­ups wird die Ver­pa­ckung der Lebens­mit­tel eigen­tüm­lich aufgewertet.

Auch Trend­be­wusste sind nicht immer ziel­si­cher. Foto: privat.

Wer sich bereits dar­über gewun­dert hat, warum ganze Stra­ßen­züge mit glit­zern­den oder auch neckisch bedruck­ten Papp­kar­tons ver­müllt sind, wird bei den Food Start­ups fün­dig. Die Ver­pa­ckung spielt für die Insze­nie­rung eine ent­schei­dende Rolle. Dabei diente ein Papp­kar­ton bis­lang neben sei­ner eigent­li­chen Funk­tion, Ver­pa­ckung zu sein, auch dazu, den Gebrauchs­wert der ent­hal­te­nen Ware anzu­prei­sen. Bei den Food Trends jedoch ist der Papp­kar­ton nicht mehr allein Teil der Waren­äs­the­tik, son­dern erhält selbst einen Gebrauchs­wert. Der Papp­kar­ton oder auch ‑becher ist sowohl ein Acces­soire für den Stadt­bum­mel als auch für die sozi­al­me­diale Insze­nie­rung. Befeu­ert wurde dies sicher­lich durch den Mitte der 2000er Jahre ent­stan­de­nen Online­trend des »Unboxings«, also das Aus­pa­cken von Waren vor der Kamera durch Influen­cer. Aber auch die Ver­pa­ckun­gen der Food­trends schi­cken sich bereits an, zu einem eigen­stän­di­gen pop­kul­tu­rel­len Phä­no­men zu wer­den: »Sag, willst du wirk­lich mit mir sein, Baby? Denn nichts ist umsonst, uh / Also komm bloß nicht nach Haus ohne Brammibal’s in tau­send Kar­tons, uh«, heißt es etwa bei der Musi­ke­rin Shirin David.

Sinnlose Straßenzüge

Man­che Food Start­ups – so unter ande­rem die Zimtschnecken-Kette – wer­ben auch mit dem Begriff des cra­vings, also eines star­ken Ver­lan­gens, das über den Erwerb des jewei­li­gen Lebens­mit­tels zu befrie­di­gen sei. Das ist in einer Welt, in der der Gebrauchs­wert der Waren zwar nicht ver­schwin­det, sich jedoch inso­fern wan­delt, dass er sich weni­ger auf ihre mate­ri­el­len, son­dern reprä­sen­ta­ti­ven Qua­li­tä­ten bezieht, bemerkenswert.

Mit dem Begriff des cra­vings zei­gen die Food Start­ups an, dass sie etwas her­stel­len, was aus einer phy­sio­lo­gi­schen Not­wen­dig­keit, aus einem kör­per­li­chen Bedürf­nis her­aus gebraucht würde. Dass auch diese Geschichte ver­fängt, mag daran lie­gen, dass eine gewisse Sehn­sucht nach eben­sol­chen basa­len Bedürf­nis­sen besteht. Schließ­lich nimmt – im sel­ben Tempo wie die Filia­len der Food Start­ups – die Zahl an Fit­ness­stu­dios zu, die offen­bar ein ähn­li­ches Begeh­ren nach Kör­per­lich­keit in einer Zeit anzei­gen, in der Mus­keln ihre Funk­tion, Arbeit zu ver­rich­ten, wei­test­ge­hend ver­lo­ren haben. Doch so wie auch in Fit­ness­stu­dios der Kör­per pri­mär zu reprä­sen­ta­ti­ven Zwe­cken gestählt wird, basiert auch das Geschäfts­mo­dell der Food Start­ups nicht dar­auf, etwas her­zu­stel­len, das auf­grund eines tat­säch­li­chen kör­per­li­chen Ver­lan­gens gebraucht wird. Es basiert vor allem dar­auf, sozi­al­me­dial teil­bare Inhalte – Erleb­nisse und Geschich­ten – zu verkaufen.

Je mehr sich jedoch der städ­ti­sche Raum durch diese digi­tale Selbst­in­sze­nie­rung ver­än­dert, desto sinn­lo­ser wird er. Orte tat­säch­li­cher Gemein­schaft und sol­che, an denen sich nütz­li­che Dinge erwer­ben las­sen, wer­den ein­ge­tauscht gegen Erzäh­lun­gen von ihnen. Und noch wäh­rend über diese Zei­len nach­ge­dacht wurde, schloss ein offen­bar erfolg­lo­ser Trend-Saftladen am Neuen Pfer­de­markt und wurde durch eine Filiale einer aus Ber­lin stam­men­den Instagram-Café-Kette unter dem Namen »A Never Ending Love Story« ersetzt – ein nicht enden wol­len­der Schwachsinn.

Johan­nes Rad­c­zinski, April 2026

Beim Schlen­dern durch den Stadt­teil – gerne auch mal mit einer Tüte Eis – ver­folgt der Autor, wie sich die Stern­schanze ver­än­dert. Die­ser eth­no­lo­gi­sche Blick schlug sich auf Untie­fen unter ande­rem in Arti­keln über den soge­nann­ten „Grü­nen Bun­ker“ oder auch die hier anzu­tref­fende Rekon­struk­ti­ons­ar­chi­tek­tur nieder.

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