Veranstaltung: »Gegen den Geist des Sozialismus«. Buchvorstellung mit Olaf Kistenmacher

Veranstaltung: »Gegen den Geist des Sozialismus«. Buchvorstellung mit Olaf Kistenmacher

Wie geht eine links­ra­di­kale Kri­tik des lin­ken Anti­se­mi­tis­mus? Der Ham­bur­ger His­to­ri­ker und Autor Olaf Kis­ten­ma­cher stellt sein Buch über Kri­tik der Juden­fein­schaft in der KPD der Wei­ma­rer Repu­blik vor: 01.11.2023, 19 Uhr, Mone­tastr. 4.

Der mör­de­ri­sche Ter­ror der Hamas und des Isla­mi­schen Jihad gegen Israel wurde am 07. Okto­ber in einer neuen Qua­li­tät ent­fes­selt.
Wer in die­sen Tagen mit lin­ken und links­ra­di­ka­len Freund:innen und Bekann­ten spricht oder in den sozia­len Medien aus die­ser Ecke liest, sieht viel Mit­ge­fühl, Wut, Ver­zweif­lung ange­sichts des Ter­rors. Aber auch: Ver­harm­lo­sung, Gleich­gül­tig­keit bis hin zu offe­ner Bil­li­gung oder gar Befür­wor­tung für das Mor­den als ver­meint­li­chem »Wider­stand« oder »Befrei­ungs­kampf«.
Lei­der ist der linke Anti­se­mi­tis­mus, ohne den die­ser Abgrund nicht mög­lich wäre, keine neue und keine vor­über­ge­hende Erschei­nung. Wer wis­sen will, wie Anarchist:innen und Kommunist:innen schon in der Wei­ma­rer Repu­blik gegen ihn kämpf­ten und wie sie ihn kri­ti­sier­ten, kann das am kom­men­den Mitt­woch erfah­ren.
Der Ham­bur­ger His­to­ri­ker und Autor Olaf Kis­ten­ma­cher stellt sein neues Buch vor: »Gegen den Geist des Sozia­lis­mus. Anar­chis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Kri­tik der Juden­feind­schaft in der KPD zur Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik« (ça ira).

Der poli­ti­sche Bil­dungs­ver­ein Bag­rut e.V. orga­ni­siert die Vor­stel­lung in Koope­ra­tion mit Untie­fen zu 19 Uhr in der Zen­tra­len Biblio­thek Frau­en­for­schung, Gen­der & Queer Stu­dies (Mone­tastr. 4). Die his­to­ri­sche Per­spek­tive wird auch Bezüge zum aktu­el­len lin­ken Elend und zur Ham­bur­ger Geschichte ermöglichen.

Die Ver­an­stal­tung wird im Rah­men der Akti­ons­wo­chen gegen Anti­se­mi­tis­mus von der Amadeo-Antonio-Stiftung gefördert.

Im Fol­gen­den doku­men­tie­ren wir den Klap­pen­text des Verlags.


Anti­se­mi­tis­mus in der poli­ti­schen Lin­ken wurde nicht erst nach 1945 zum Thema. Die Kri­tik daran ist so alt wie die Sache selbst. In der Wei­ma­rer Repu­blik waren es ehe­ma­lige Grün­dungs­mit­glie­der der KPD wie Franz Pfem­fert oder Anar­cho­syn­di­ka­lis­ten wie Rudolf Rocker, die die anti­se­mi­ti­sche Agi­ta­tion wäh­rend des Schlageter-Kurses kri­ti­sier­ten. Mitte der 1920er Jahre warnte Clara Zet­kin auf dem Par­tei­tag der KPD vor juden­feind­li­chen Stim­mun­gen an der Basis. 1929 erschien im Zen­tral­or­gan der um Hein­rich Brand­ler und August Thal­hei­mer gebil­de­ten KPD-Opposition eine der ers­ten radi­ka­len Kri­ti­ken des Anti­zio­nis­mus der KPD. Mit ihrer Kri­tik knüpf­ten die anar­chis­ti­schen und kom­mu­nis­ti­schen Lin­ken an Inter­ven­tio­nen von Rosa Luxem­burg oder Leo Trotzki an und reflek­tier­ten zugleich die Ent­wick­lung in Russ­land nach der bol­sche­wis­ti­schen Revo­lu­tion. Marx’ Anspruch, »alle Ver­hält­nisse umzu­wer­fen, in denen der Mensch ein ernied­rig­tes, ein geknech­te­tes, ein ver­las­se­nes, ein ver­ächt­li­ches Wesen ist«, schloss für sie den Kampf gegen Anti­se­mi­tis­mus auch in den eige­nen Rei­hen mit ein. Ihre Kri­tik kam nicht nur Jahr­zehnte vor der inner­lin­ken Debatte über Anti­se­mi­tis­mus von links, Luxem­burg und Pfem­fert nah­men auch Argu­mente der spä­te­ren anti­na­tio­na­len und anti­deut­schen Lin­ken vorweg.

Olaf Kis­ten­ma­cher
»Gegen den Geist des Sozia­lis­mus«. Anar­chis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Kri­tik der Juden­feind­schaft in der KPD zur Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik
Novem­ber 2023, 156 Sei­ten
Fran­zö­sisch Bro­schur
20,00 €

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